Das Ministerium für Arbeit, Invaliden und Soziales hatte sich für den Zeitraum 2017–2020 das Ziel gesetzt, jährlich etwa 100.000 bis 120.000 Arbeitskräfte zur Beschäftigung ins Ausland zu entsenden, wobei rund 80 % von ihnen zuvor eine Ausbildung durchlaufen haben sollten. Die Verbesserung der beruflichen Qualifikationen der Arbeitskräfte gilt als die effizienteste Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels. Die Arbeitskräfteentsendung konnte dabei weiterhin eine hohe Wachstumsrate verzeichnen.
Ein Rückblick auf die Ergebnisse der letzten Jahre zeigt ein relativ stabiles und stetiges Wachstum bei der Entsendung von Arbeitskräften. Im Jahr 2017 erreichte die Zahl der entsandten Arbeitskräfte mit 134.751 Personen einen Höchststand und übertraf das Jahresziel um 28,3 %. Dies war das vierte Jahr in Folge, in dem Vietnam mehr als 100.000 Arbeitskräfte ins Ausland entsenden konnte.
Auch das Jahr 2018 war im Bereich der Arbeitskräfteentsendung erfolgreich; die geschätzte Zahl der entsandten Arbeitskräfte lag bei über 140.000. Taiwan und Japan sind nach wie vor die Hauptmärkte für die Entsendung vietnamesischer Arbeitskräfte (sie machen mehr als 90 % der Gesamtzahl der im Ausland tätigen Arbeitskräfte aus). Nach Einschätzung der Behörde für Auslandseinsätze (Department of Overseas Labor) besteht in diesen beiden Märkten eine hohe Nachfrage nach vietnamesischen Arbeitskräften. Taiwan gilt weiterhin als der Markt, der die meisten vietnamesischen Arbeitskräfte aufnimmt. Neben Taiwan gilt auch Japan als Markt mit großem Potenzial, vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten und hoher Nachfrage nach vietnamesischen Arbeitskräften. Insbesondere bietet dieser Markt gute Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten, weshalb sich viele vietnamesische Arbeitskräfte dafür interessieren und sich entsprechend anmelden.
Darüber hinaus gibt es in einigen Märkten Bedarf an Arbeitskräften für neue Berufsgruppen, die Vietnam gut bedienen kann – etwa Pflegekräfte, Hebammen sowie Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und Aquakultur oder Fachkräfte mit hoher technologischer Kompetenz. Dies schafft zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte, die sich für eine Tätigkeit im Ausland entscheiden. Zuletzt haben auch einige europäische Märkte – darunter Ungarn, Rumänien, Polen und Norwegen – Bedarf an ausländischen Arbeitskräften angemeldet und erste Schritte zur Zusammenarbeit mit Vietnam in den Bereichen Gesundheitswesen und Pflege eingeleitet. Es lässt sich feststellen, dass die Maßnahmen zur Entsendung von Arbeitskräften ins Ausland Erfolge gezeigt haben: Die Zahl der entsandten Arbeitskräfte steigt von Jahr zu Jahr, die Qualifikation der Arbeitskräfte verbessert sich stetig, und die geschäftlichen Abläufe werden zunehmend geordneter. Dank guter Einkommensmöglichkeiten konnten viele Arbeitskräfte ihre Lebensbedingungen nach der Rückkehr in die Heimat verbessern. Ein Bericht des Ausschusses für soziale Angelegenheiten zur thematischen Überwachung der im Ausland tätigen vietnamesischen Arbeitskräfte (Zeitraum 2010–2017) belegt, dass im genannten Zeitraum landesweit 821.862 Arbeitnehmer auf vertraglicher Basis im Ausland tätig waren. Besonders stark stieg die Zahl der im Ausland beschäftigten Arbeitskräfte in Märkten mit hohem Einkommensniveau, etwa in Japan (ein Anstieg von rund 461 % gegenüber dem Zeitraum 2010–2013), Taiwan (ca. 183 %) und dem Nahen Osten (ca. 120 %). Dabei nahm der Markt in Taiwan die meisten Arbeitskräfte auf und blieb auf einem konstant hohen Niveau.
Den Überwachungsergebnissen zufolge erzielen im Ausland tätige Arbeitskräfte häufig ein höheres und stabileres Einkommen als Arbeitskräfte im Inland, die denselben Beruf ausüben und über vergleichbare Qualifikationen verfügen. Das durchschnittliche Einkommen (einschließlich Überstundenvergütung) liegt bei 400 bis 600 USD pro Monat im Nahen Osten, bei 700 bis 800 USD in Taiwan sowie bei 1.000 bis 1.200 USD in Südkorea und Japan. Die von den Arbeitskräften jährlich in die Heimat überwiesenen Gelder belaufen sich auf etwa 2 bis 2,5 Milliarden USD.
Eine effektive Vernetzung von Unternehmen, die Arbeitskräfte ins Ausland vermitteln, mit Berufsbildungseinrichtungen ist erforderlich.
Nach Angaben des Ministeriums für Arbeit, Invaliden und soziale Angelegenheiten sind derzeit rund 500.000 vietnamesische Arbeitskräfte in mehr als 40 Ländern und Gebieten in über 30 Berufsgruppen tätig. Seit 2006 sind mehr als eine Million vietnamesische Arbeitskräfte zur Arbeit ins Ausland gegangen. Die Qualifikation der entsandten Arbeitskräfte hat sich dabei schrittweise verbessert. Ende 2003 lag der Anteil der Arbeitskräfte, die vor der Aufnahme einer Tätigkeit im Ausland eine Berufsausbildung absolviert hatten, bei nur etwa 35 %; inzwischen ist dieser Wert auf über 50 % gestiegen.
Experten zufolge schätzen Arbeitgeber auf traditionellen Arbeitsmärkten wie Japan, Taiwan und Südkorea vietnamesische Arbeitskräfte sehr – vor allem wegen ihres Einfallsreichtums, ihres Fleißes und ihrer schnellen Anpassungsfähigkeit. Im Zuge der zunehmenden Integration unseres Landes in die Weltwirtschaft und die Region bieten sich vietnamesischen Arbeitskräften – einschließlich hochqualifizierter Fachkräfte – immer mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung im Ausland.
Allerdings weist unsere Erwerbsbevölkerung nach allgemeiner Einschätzung noch Defizite bei Fremdsprachenkenntnissen auf; zudem entsprechen die Qualifikationen oft nicht den Marktanforderungen, und es mangelt an Vertrautheit mit industriellen Arbeitsweisen. Derzeit sind fast 50 % der ins Ausland entsandten Arbeitskräfte ungelernte Kräfte. Dies gibt Anlass zu erheblichen Bedenken hinsichtlich der Qualität der aktuellen Arbeitskräfte, die im Ausland tätig sind.
Herr Tran Anh Tuan, stellvertretender Direktor des Zentrums für die Prognose des Personalbedarfs und Arbeitsmarktinformationen in Ho-Chi-Minh-Stadt. Laut Herrn Tuan werden vietnamesische Arbeitskräfte – sollte die Ausbildung zur Qualitätssteigerung der für den Export bestimmten Arbeitskräfte nicht sachgerecht erfolgen – nicht in der Lage sein, die Anforderungen der Partner zu erfüllen. Dies würde dazu führen, dass Pflichten nicht wahrgenommen werden, Schäden entstehen und Verträge verletzt werden, was wiederum den Ruf der Arbeitsvermittlungsunternehmen sowie die Strategie Vietnams zur Arbeitskräfteentsendung beeinträchtigen würde.
Herr Tuan schlug vor, ein Pilotprogramm für die gezielte Berufsausbildung von Arbeitskräften für den Auslandseinsatz einzuführen. Dabei übernimmt der Staat 70 % der Ausbildungskosten, während die verbleibenden 30 % von den Unternehmen oder den Arbeitnehmern selbst getragen werden. Ziel ist es, Arbeitnehmer dazu zu motivieren, vor der Aufnahme einer Tätigkeit im Ausland einen Beruf zu erlernen. Dadurch soll der Anteil qualifizierter Fachkräfte bei der Ausreise erhöht, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und schrittweise eine Marke für vietnamesische Arbeitskräfte auf dem internationalen Markt etabliert werden.
Die Prognosen für den Bedarf an Arbeitskräften für den Auslandseinsatz bis zum Jahr 2020 sind sehr hoch. Das Ministerium für Arbeit, Invaliden und Soziales hat sich zum Ziel gesetzt, im Zeitraum von 2017 bis 2020 jährlich zwischen 100.000 und 120.000 Arbeitskräfte ins Ausland zu entsenden, wobei etwa 80 % von ihnen über eine entsprechende Ausbildung verfügen sollen. Die Verbesserung der Qualifikationen und Fertigkeiten der Arbeitskräfte gilt als entscheidende Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels. Daher kommt Berufsbildungseinrichtungen bei der Ausbildung von Arbeitskräften für den Auslandseinsatz eine äußerst wichtige Rolle zu.

Um die Qualität der für den Auslandseinsatz vorgesehenen vietnamesischen Arbeitskräfte zu steigern, hat laut der Leitung der Behörde für Arbeitskräfteentsendung ins Ausland (Department of Overseas Labor) die Vernetzung von Arbeitsvermittlungsunternehmen mit Berufsschulen oberste Priorität. Ziel ist es, die Qualität der Arbeitskräfte bei Rekrutierung und Ausbildung zu verbessern und Investitionen in sozioökonomische Entwicklungsprogramme und -projekte auf lokaler, regionaler und branchenspezifischer Ebene vorrangig mit Berufsbildungsprogrammen für den Arbeitskräfteexport zu verknüpfen. Gleichzeitig sollen Pläne entwickelt werden, um vietnamesische Arbeitskräfte in Investitionsprojekte, Dienstleistungen oder Handelsaktivitäten einzubinden; dies dient dazu, ihr Wissen zu erweitern, Erfahrungen zu sammeln und hochspezialisierte berufliche Fähigkeiten zu trainieren, um den Anforderungen potenzieller Märkte für den Arbeitskräfteexport gerecht zu werden. Um eine unkontrollierte Ausbildung zu vermeiden, die nicht dem tatsächlichen Arbeitskräftebedarf entspricht, müssen sich Berufsbildungseinrichtungen eng mit den für die Arbeitskräfteentsendung zuständigen Stellen abstimmen. Dabei gilt es, die Anforderungen der Unternehmen – insbesondere hinsichtlich Standards, Sprachkenntnissen, Fertigkeiten, Arbeitseinstellungen sowie landes- und regionsspezifischer Verhaltensweisen – zu berücksichtigen. Je besser die Arbeitskräfte vorbereitet sind, desto leichter fällt es ihnen, sich anzupassen und langfristig im Unternehmen zu bleiben.
Um die Qualität der Ausbildung zu steigern und die Chancen vietnamesischer Arbeitskräfte auf eine Tätigkeit im Ausland zu verbessern, ist eine enge Zusammenarbeit („Handschlag“) zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen erforderlich. Unternehmen sollten den Schulen detaillierte Informationen zu Programmen für Studium und Arbeit in den jeweiligen Zielmärkten zur Verfügung stellen, damit diese entsprechende Hinweise bei der Zulassung und Berufsberatung geben können. Auf dieser Grundlage rekrutieren die Schulen Auszubildende und führen die Ausbildung in enger Kooperation und Begleitung durch die Unternehmen durch – von Beginn an bis zum Abschluss. Dies unterstützt die Lernenden dabei, sowohl in der Ausbildung als auch im späteren Berufsleben gute Leistungen zu erbringen. Gleichzeitig fördern die Schulen die Vernetzung mit Arbeitsvermittlungsagenturen für den Auslandseinsatz, um die Vermittlung von Praktikanten oder Arbeitskräften zu gewährleisten. Dieses Modell ermöglicht es den Absolventen, direkt nach Abschluss ihrer Ausbildung ins Ausland zu gehen, um dort in einem professionellen Umfeld weiterzulernen, zu arbeiten und ihre Kompetenzen zu erweitern. Nach ihrer Rückkehr verfügen sie über ein wertvolles Qualifikationsprofil – geprägt durch Fremdsprachenkenntnisse, fachliche Fertigkeiten, eine professionelle Arbeitsweise und Managementerfahrung –, was ihnen neue Perspektiven eröffnet und zugleich der Gesellschaft zugutekommt.